Höhr-Grenzhäuser Karnevalisten halten zusammen…

Offizieller Pressebericht über die Versammlung aller Karnevalisten der Stadt- und Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen (einschl. Ransbach-Baumbach) vom 27.05.2020
(Bericht Mirco Moskopp)

Karneval ist noch nicht abgeschrieben
Karnevalisten in der VG Höhr-Grenzhausen treffen gemeinsame Entscheidungen

Die Empfehlungen des RKK, wegen der Corona-Pandemie auf Veranstaltungen in der kommenden Session zu verzichten, hat bei aktiven Karnevalisten und allen Freunden des Brauchtums für Verwirrung gesorgt. Ist schon alles abgesagt? Wird es gar keine Session geben?

Die „Macher“ in der Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen haben sich jetzt getroffen um zu beraten, wie es weiter geht. Ergebnis: Es wird keine Alleingänge geben! „Wir entscheiden und handeln gemeinsam“, erklärt Thorsten Hartmann, Vorsitzender des Komitee Fastnachtszug, stellvertretend für alle Korporationen.

Die Vereinsvorstände sind sich einig, dass die Session 2020/2021 noch nicht abgeschrieben werden darf. Dafür sei es viel zu früh. Fast täglich ändern sich zurzeit die Auflagen, gesetzliche Bestimmungen und zwischenmenschliche Kontaktbeschränkungen. Wie es in einem halben Jahr sein wird, steht nicht nur in den rot-weißen Sternen. Trotzdem hat man gemeinsam schon jetzt eine Vorgehensweise beschlossen.

Am 8. September fällt die finale Entscheidung, was genau passiert. Nicht vorher und auch nicht danach. Bis dahin laufen (fast) alle Vorbereitungen weiter.

Allerdingt steht schon jetzt fest, dass die kommende Kampagne – sollte sie stattfinden – ohne Prinzenpaare auskommen muss. Fast ein Jahr lang bereiten sich die Tollitäten mit ihren Gefolgen intensiv auf die fünfte Jahreszeit vor. Sie fiebern jahrelang auf die Session hin. Sie investieren viel
Geld und noch mehr Zeit in den „Traum ihres Lebens“. So verschiebt das Komitee die Kampagnen des großen und kleinen Prinzenpaars schon auf die Session 2022.

Auch für den Saal- und Sitzungs-Karneval mit insgesamt 24 Veranstaltungen gibt es einen Plan. Eine Durchführung mit Sicherheitsabstand, mit Mund-Nasen-Schutz, einem begrenztem Platzangebot oder außergewöhnlicher Hygiene-Auflagen ist nicht möglich. „Wirtschaftlich ist das nicht durchführbar“, sind sich beispielsweise Roman Birnbach und Carsten Gräf einig, die beiden Vorsitzenden des Elferrats Rot-Weiß und der Karnevalsgesellschaft Grau-Blau. Sie tragen mit den
beiden großen Sälen die wohl größte finanzielle Verantwortung. Hier werden insgesamt 9 ausverkaufte Sitzungen durchgeführt. Außerdem sind sie auch die „Hausherren“ und „Ratgeber“ für die beiden ausverkauften Sitzungen der Ranzengarde Grün-Gelb. Der Jugend- und Kinder-
Karnevalsverein ist der ganze Stolz aller Karnevalisten. Hier beginnt fast jede Karriere im Höhr-Grenzhäuser Karneval.

Deadline für die finale Entscheidung ist der 8. September. An diesem Tag wird die Lage neu aber auch abschließend beurteilt, damit alle Planungssicherheit haben. Sollte bis zu diesem Zeitpunkt keine
Aufhebung der Veranstaltungs-Beschränkungen beschlossen oder kurzfristig in Aussicht gestellt worden sein, werden alle Veranstaltungen abgesagt. Das ist eine gemeinsame Entscheidung, die auch vom Möhne Club Hillscheid, den Möhnen Ewig Jung und den Möhnen Gräulich-Bläulich mitgetragen wird. Am 8. September gibt es dann auch Gewissheit, ob die Umzüge in Hillscheid und Höhr-Grenzhausen stattfinden. Keine Sitzungen, kein Zug!

Alle Vereinsvertreter saßen für diese Entscheidungen (mit Sicherheitsabstand) an einem Tisch. Auch die Wagenbauer Hillscheid, die Ranzengarde, die Ex-Prinzen und sogar die Karnevalsgesellschaft
Blau-Gold aus Ransbach-Baumbach, die der gemeinsamen Vorgehensweise in ihrer Stadt wohl folgen will.

„Ein späterer Zeitpunkt für eine Absage ist nicht möglich“, wissen auch die Sitzungspräsidenten Andre Geilen (Grau-Blau), Michael Specht (Rot-Weiss) und Felix Birnbach (Grün-Gelb). Die bestehenden Verträge mit beispielsweise Bands oder Technikfirmen sind zu einem späteren
Zeitpunkt nicht mehr verhandelbar und noch später im Jahr können keine Kostüme oder Orden mehr bestellt werden.

Normalerweise starten Tanzgruppen schon nach Ostern mit dem Training. Die Trainer und Trainerinnen haben bis dahin schon längst die Vorbereitungen abgeschlossen. Karneval ist auch Tanzsport und der ist ja zurzeit nicht erlaubt. Zum Teil hat das Training mit Online-Videos schon
begonnen. Bis zum 8.9. gehen überall die Vorbereitungen ungemindert weiter. „Wir sind Optimisten“, waren sich alle Sitzungsmacher einig.

„Es geht nicht nur um wirtschaftliche Auswirkungen für die Vereine“, sagt Roman Birnbach, Vorsitzender des Elferrat Rot-Weiß und Carsten Gräf, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Grau-Blau fügt hinzu, das „der Karneval auch eine soziale und gesellschaftliche Komponente erfüllt“.
Karneval besteht nicht nur aus den „tollen Tagen“ in der fünften Jahreszeit. Genau so wenig wie Mallorca nur der „Ballermann“ ist. Karneval ist das ganze Jahr. Die Aktiven treffen sich, sie trainieren, sie lachen gemeinsam und pflegen ihre Freundschaften, weit über Vereinsgrenzen hinaus. Sie führen Veranstaltungen durch, arbeiten und kellnern bei Kirmes und Festen, bauen Glühweinstände und verkaufen Bratwurst. Mit einem gemeinsamen Ziel: Genug Geld zu erwirtschaften, um den ohnehin
finanziell defizitären Sitzungskarneval finanzieren zu können. Obwohl gerade dieser nirgendwo im Westerwald so erfolgreich ist wie in Höhr-Grenzhausen.

„Das sind schwere Entscheidungen und Herausforderungen vor denen die Karnevalisten in unserer Heimat stehen“, erklärt VG-Bürgermeister Thilo Becker. „Das alle gemeinsam handeln und entscheiden, zeigt aber auch den Zusammenhalt der Menschen, die im Karneval aktiv sind“, fügt er hinzu. Nichts prägt das ganzjährige Freizeitangebot so sehr wie diese Vereine. Fast jeder siebte Einwohner der VG ist im Karneval engagiert. Gemeinsam mit Stadtbürgermeister Michael Thiessen und dem Hillscheider Ortsbürgermeister Andreas Rath will Becker alles tun was auf „kommunaler Ebene“ möglich ist.

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